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Marvin an der Nanzan Universität

 

     MarvinEil

Marvin

Studiengang: Lehramt Kunst und Englisch

Gastuniversität: Nanzan University 

Austauschprogramm: ISEP-Austausch

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Japan

12.02.2020: Nagoya Station und Sakae; und wo ist eigentlich der berühmte alte Laden?


 

An der Nanzan-Universität haben wir Austauschstudierenden zurzeit für eine Woche Seminarpause. Alle anderen Studierenden haben sowieso Ferien, für die geht es erst wieder im April los, es ist also gerade ziemlich ruhig. Zeit, sich ein bisschen in Nagoya umzuschauen!

Nagoya war die erste japanische Stadt, die ich gesehen habe und daher war mein erster Eindruck, dass die Stadt außergewöhnlich sauber ist. Nachdem ich nun in vielen Städten war, kann ich sagen, dass das für viele Städte in Japan gilt. Das zweite, was mir auffiel, war, dass es kaum bis teilweise gar keine Mülleimer gibt. Interessanterweise stellt das keinen Widerspruch dar.

 

Die zwei größten Anlaufstellen in Nagoya sind zweifelsfrei der Bahnhof 名古屋駅 Nagoya Eki / Nagoya Station im Westen und 栄 Sakae im Zentrum der Stadt. Nagoya Station ist flächenmäßig einer der weltgrößten Bahnhöfe und vereint den unterirdischen Subway-Bahnhof auf mehreren Ebenen, daran angrenzend gleichermaßen innen gelegen die Bahnhöfe Meitetsu Nagoya und Kintetsu Nagoya für die Regionalzüge sowie den Freiluftbahnhof für die Shinkansen, die Hochgeschwindigkeitszüge. Darüber thronen die JR Central Towers, zwei Wolkenkratzer mit einer Höhe von über 50 Stockwerken. In dem ganzen Komplex findet man eigentlich alles, was man braucht: einen Food-Market, zahlreiche Restaurants, Bücherläden, Elektronikgeschäfte und so weiter. Das Viertel um Nagoya Station ist ebenfalls sehr frequentiert: Zwischen Hotels und Hochhäusern gibt es auch kleinere Gassen mit traditionelleren Restaurants, aber auch Spiel-Arkaden, Kinos, Event-Locations und mehr.

 

Der place to be in Nagoya ist trotzdem Sakae. In Sakae befinden sich die großen Einkaufszentren, die Shopping-Meilen, viele Sehenswürdigkeiten, die Festival-Plätze und Klubs, Bars und Restaurants. Besonders auffallend sind der Oasis-21 Busbahnhof mit integriertem Untergrund-Einkaufszentrum und futuristischem ovalen, in wechselnden Farben illuminierten, begehbaren und mit Wasser gefüllten Dach, der Nagoya TV Tower, ein dem Eiffelturm ähnlich aussehender Fernsehturm, der 180 Meter hoch und zudem der älteste in ganz Japan ist, und das Sunshine-Einkaufszentrum mit direkt angeschlossenem Riesenrad. Dementsprechend verbinde ich mit Sakae auch bereits die meisten Erinnerungen: meinen Geburtstag habe ich hier mit Freunden gefeiert, zahlreiche Karaoke-Abende erlebt, das Nagoya Festival gesehen oder einfach in Restaurants, Bars und Cafés gesessen.

 

Wenn man von Sakae erzählt, darf man eigentlich Ōsu nicht unerwähnt lassen, aber darauf komme ich dann im nächsten Eintrag zurück.

 

じゃ、またね。Bis bald!

 

Erster Einwurf: Dass es fast keine Mülleimer gibt, liegt daran, dass die meisten öffentlichen Mülleimer im Nachklang des Giftgasanschlags in der U-Bahn in Tokyo 1995 entfernt wurden. Besonders in den ersten Wochen habe ich den ganzen anfallenden Plastikmüll (Japan, why??) mit nach Hause nehmen müssen; inzwischen kenne ich aber die Standorte der wenigen öffentlichen Mülleimer.

 

Zweiter Einwurf: In Japan gibt es 1. an allen Ecken Getränkeautomaten und 2. in fast jedem Block einen コンビニ (‚konbini‘ von engl. convenience store, Gemischtwarenlädchen), die sehr praktisch sind, wenn man schnell etwas braucht und nicht zu einem Supermarkt fahren möchte. Die Konbinis der amerikanischen Marken Lawson, Seven-Eleven und Family Mart sind größer als deutsche Spätis / Trinkhallen / Kioske / Tankstellenshops und preislich auch auf Supermarkt-Niveau. Allerdings wird automatisch jeder Gegenstand beim Kauf in eine Plastiktüte eingepackt. Ich habe zwar immer darauf bestanden, keine zu bekommen, trotzdem haben sich irgendwie auch bei mir welche angesammelt. Genauso verhält es sich mit vielen Produkten: Obwohl oft vakuumversiegelt, sind sie noch zusätzlich in Plastikverpackungen eingehüllt. Es bleibt zu hoffen, dass auch hier bald ein Umdenken einsetzt. Ich möchte mutmaßen, dass das wrapping bei Geschenken, also die Geschenkverpackung, die hier kulturell bedingt relativ bedeutend ist, da mit reinspielt.

 

Dritter Einwurf: Nachdem wir im Japanisch-Kurs die Kanji 名 (na/mei; 有名な = berühmt), 古 (furu/ko; 古い = alt) und 屋 (ya = Laden, Geschäft) gelernt hatten, dachte ich, 名古屋 Nagoya hat seinen Namen vielleicht aufgrund eines berühmten, alten Geschäfts bekommen, das es hier irgendwo einmal gegeben haben könnte (zusammengesetzt übersetzt sich (有)名な古屋 ganz grob in ‚berühmtes altes Geschäft‘). Inzwischen suche ich allerdings nicht mehr nach einem berühmten alten Laden, denn meine Deutung war etwas naiv und wie ich in meiner Recherche gelesen habe, zeigt „名古“ eine kollabierte Landform an und „屋“ (früher mit anderem Kanji geschrieben) weist hier auf Auen hin, also handelt es sich wohl vielmehr um ein ehemaliges „Auenland unter Klippen“, was durchaus nachvollziehbar ist, wenn man die umliegenden Berge und die zahllosen Flüsse in der Gegend in Betracht zieht.

 

  2020_02_12 Nagoya station at night  2020_02_12 Oasis21 at night

2020_02_12 Sakae Bars  2020_02_12 Sunshine Sakae

 


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29.01.2020: Japanisch, Essen und der Alltag an der Nanzan-Universität


  

Das neue Semester ist erst anderthalb Wochen alt, aber ich bin schon wieder mittendrin im Japanisch-Lernen. Wir haben bereits eine Rede halten müssen, eine Lektion-Klausur, drei Vokabel-Tests, einen Kanji-Test und ein kurzes Essay auf Japanisch geschrieben und auch für morgen muss ich wieder 30 Vokabeln lernen, unter anderem ぬいぐるみ (nuigurumi, Stofftier), チョコレート (chokorēto, Schokolade) und 両親 (ryōshin, Eltern). Der Japanisch-Kurs (Communication Class) findet täglich ab 9:20 Uhr für 90 Minuten statt. Mein Kurs in Japanisch II besteht aus 12 Austauschstudenten, darunter am meisten Amerikanerinnen und Amerikaner, zwei Studierende aus Schweden und einer aus der Ukraine; meine Lehrerin ist Takeda-sensei 竹田先生 und wir eilen zwar mit rasender Geschwindigkeit durch unser 383-seitiges Kursbuch, aber die meisten Aufgaben zielen auf ein Partnergespräch ab und es wird generell hauptsächlich gesprochen im Unterricht und nur wenig geschrieben. Damit ist der Sprachkurs schon wesentlich besser als jener, den man aus der Schule kennt und wenn man das Glück hat, lustige Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie eine nette Lehrerin zu haben, macht auch das Anwenden der scheinbar kompliziertesten Grammatik noch Spaß.

 

Während im Japanisch-Kurs der Stufe I noch viel Grammatik auf Englisch erklärt wird, wird im Level-II-Kurs nur noch Japanisch gesprochen. Hiragana ひらがな, eine der drei Schriften der japanische Sprache mit 42 Zeichen, kannte ich schon aus meinem Kurs an der TU; Katakana カタカナ, die 2. Schrift mit ebenfalls 42 Zeichen für nicht-japanische Wörter, habe ich dann so richtig in meinem ersten Semester in Japan gelernt. Die dritte, Kanji 漢字, bei der chinesische Schriftzeichen anstelle von Hiragana verwendet werden, hört man eigentlich nie auf zu lernen – das Ziel meines Kurses ist es, dass wir am Ende des Semesters 320 Kanji lesen und schreiben können. Kanji-Zeichen werden 3x die Woche in einem zusätzlichen 90-minütigen Kurs (Reading & Writing Class) geübt. Dort werden auch Geschichten gelesen, Essays geschrieben und Lieder gesungen, zum Beispiel „Let It Go“ aus Frozen (ありのままで~ Ari no Mama de, kann man auf Youtube finden). Japanisch zu lernen ist zwar Fleißarbeit, aber ich werde täglich damit belohnt, dass ich ausführlicher mit meinen Gasteltern sprechen kann, in Gesprächen mit japanischen Studierenden mehr verstehe und einbringen kann, endlich auch bei den japanischen Kanji-Quizshows im TV mitraten, mich in Nagoya besser navigieren, Schilder und Werbung in den U-Bahnen und in den Zügen besser lesen kann und auch Ansagen verstehe.

 

Um halb 1 gibt es eine einstündige Lunch-Pause an der Nanzan-Universität, in der man in eine von mehreren Mensen gehen kann oder sich Mittagessen bei einem Food-Truck kaufen kann, die des Öfteren zur Uni kommen. Gleich zu Beginn meines ersten Semesters wurde ich von japanischen Studierenden, die Germanistik als Hauptfach haben, eingeladen, einem „Deutschen Stammtisch in Nagoya“ beizutreten, und seitdem hat unser Stammtisch regelmäßig zusammen Mittag gegessen und einmal im Monat in einem Restaurant oder einer Bar in der Stadt ein Abendessen veranstaltet, außerdem sind wir Karaoke singen gegangen – eine ganz typisch japanische Freizeitbeschäftigung.

 

Für jemanden, der seit 22 Jahren kein Fleisch und keinen Fisch isst, war es am Anfang in Japan erwartungsgemäß etwas frustrierend: in vielen Restaurants und auch in den Nanzan-Mensen gibt es wenig bis keine vegetarische Option und auch die Speisekarten und speziellen Angebote sind für nicht-Muttersprachler nicht unbedingt lesbar, weil handgeschriebene Kanji verwendet werden, aber wenn man gleich zu Beginn ein paar Standard-Phrasen lernt (肉と魚なしおねがいします – ohne Fleisch und Fisch, bitte) und nett bei den Bedienungen beziehungsweise in der Mensa-Küche anfragt, lässt sich auch hier eine Lösung finden. Einfacher ist es in meiner Gastfamilie: Meine Gastmutter kocht für mich so ziemlich dasselbe wie für die Familie und ersetzt alles nicht-Vegetarische durch Tofu und Soja-Fleisch, beides in Japan äußerst lecker und nicht zu vergleichen mit den Produkten in Deutschland!

Man wünscht im Übrigen nicht anderen Personen einen guten Appetit, sondern bedankt sich für das erhaltene Essen, bevor man zu essen beginnt mit いただきます(itadakimasu) und bedankt sich erneut für das leckere Essen, nachdem man fertig gegessen hat mit ごちそうさまでした (gochisou sama deshita).

 

Nach der Lunch-Pause, in der man aber nicht unbedingt in einer Mensa etwas essen muss, sondern auch zu den zahlreichen Student-Clubs gehen kann (von Sport über interkulturelle Angebote bis hin zu Kunst ist alles dabei), finden Nachmittags-Seminare statt, von denen sehr viele auf Englisch gehalten werden. Man kann 3-5 Seminare zusätzlich zu den morgendlichen Sprachkursen wählen. Im letzten Semester habe ich folgende Seminare belegt: „Intercultural Competence: Seeing Beyond Cultural Filters“, das mir sehr beim Reflektieren von vielen Erfahrungen geholfen hat und mich im Hinblick auf Ethnozentrismus sensibilisiert hat, „Japanese Culture and Art“, wo wir die wichtigsten historischen Epochen Japans im Hinblick auf kulturelle Entwicklungen und Einflüsse sowie künstlerische Errungenschaften kennengelernt haben, „Japanese Popular Culture”, ein Seminar, in dem wir hauptsächlich die Popkultur in den Fokus genommen und Anime-Episoden analysiert haben, und außerdem „Woodblock Printing (Hanga)“, wo man das traditionelle Kunsthandwerk des japanischen Holzschnitts und -drucks erlernt. Jedes einzelne dieser Seminare hat mir die japanische Kultur entschieden nähergebracht.

 

In diesem Semester habe ich nun „Calligraphy (Shodō)“, „Special Lecture on the 3/2011 disaster: Reading ‘Fukushima’ in Japanese Literature and Popular Culture” und „Traditional Japanese Dance (Odori)” gewählt und habe auch jetzt wieder die berechtigte Hoffnung, dass jedes dieser Seminare überaus interessant wird.

 

Die nächsten Wochen werden es zeigen!

じゃ、またね。Bis bald!

 

 2020_01_29 (1) View on Nagoya from Nanzan 2020_01_29 Japanese Culture and Art class notes

2020_01_29 (2) Learning Kanjis 2020_01_29 Woodblock printing (Hanga)

2020_01_29 Food truck

 


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15.01.2020: The same procedure as last year, ミスソフィー。


 

みなさん、こんにちは。Minasan, konnichiwa! Hallo, alle zusammen! Gestern begann mein zweites Semester an der 南山大学 Nanzan University in 名古屋 Nagoya. Nagoya liegt im Herzen Japans etwa in der Mitte zwischen Tokyo und Osaka und ist die drittgrößte Stadt Japans, jedoch bedeutend weniger bekannt als die zuvor genannten Städte – was es zu ändern gilt! Als fast einzige Sehenswürdigkeit wird immer Nagoya Castle genannt, die zwar wunderschön ist, aber es gibt tatsächlich sehr viel mehr zu sehen und auch nach meinem ersten Semester habe ich noch nicht die ganze Stadt gesehen!

Ich selbst wohne bereits seit viereinhalb Monaten und noch für ein weiteres halbes Jahr in einem beschaulichen Städtchen namens 桑名 Kuwana, südwestlich von Nagoya, in einer Gastfamilie. Ich wohne mit meinen Gasteltern, beide Mitte 60, in einem eher westlich geprägten modernen Haus in einem nicht sehr dicht besiedelten Stadtteil mit einem Bahnhof in Fußweg-Nähe und pendle jeden Tag mit den immer pünktlichen Zügen und U-Bahnen zur Universität.

In dieser ersten Woche des Semesters findet dort zunächst ein Orientierungsprogramm statt, welches mit einem Japanisch-Einstufungstest begann, da alle internationalen Student*innen an meiner Universität in erster Linie ein Sprachprogramm absolvieren, das mit weiteren Kursen nach Belieben ergänzt werden kann. Weil ich aber nicht neu eingestuft werden muss, sondern meinen Sprachkurs im nächsthöheren Level fortsetze, begann der Tag für mich mit der Willkommensfeier, bei der es immer viele freundliche und motivierende Worte sowie ein buntes Buffet gibt.

Ich habe mich schon im letzten Semester sehr wohl auf dem Campus und in den Seminaren gefühlt und bin jeden Tag trotz einer Menge Vokabel- und Kanjitests gerne zur Uni gegangen, da alle Mitarbeiter*innen, Dozent*innen und japanische Student*innen immer dafür gesorgt haben, dass alle – ob mit vielen Japanisch-Kenntnissen oder noch wenigen – sich überall zurecht fanden und eine sehr gute Zeit hatten. Deshalb bin ich auch jetzt wieder gespannt, was das neue Semester alles Spannendes bereithält, auch wenn die Winterferien mir die gute Gelegenheit gegeben haben, ein bisschen durch Japan zu reisen! Dazu vielleicht später mehr.

Die Aussicht für die nächsten Tage ist typisch für den Winter in Nagoya: 11°C und Sonne! Ja, Dortmund ist zwar ganz schön, aber das Regenwetter vermisst man dann doch nicht so sehr.

じゃ、またね。Bis demnächst!

2020_01_15 Mein Zuhause  2020_01_15 Nagoya Castle

2020_01_15 Nagoya Schriftzug  2020_01_15 Nanzan Campus

2020_01_15 Reisetagebuch mit Zeichnung von Kuwana  2020_01_15 Willkommensfeier Buffet


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Nagoya is one of the three major cities in Japan


Nachdem ich an der TU Dortmund angefangen habe, im ZHB Japanisch zu lernen, reifte in mir der Wunsch, auch wirklich nach Japan zu gehen, die Sprache vor Ort zu studieren und die Kultur sowie japanische Studierende kennenzulernen. Statt der
Touristenmagneten Tokyo und Osaka war Nagoya meine Wunschstadt und tatsächlich bin ich an der Nanzan Universität in Nagoya gelandet. Wenn man die Stadt googelt, stößt man auf Artikel wie 'Nagoya: The most boring city in Japan‘. Ich möchte hier an dieser Stelle das Gegenteil beweisen: 名古屋は美しい街です。Nagoya ist eine wunderschöne Stadt!


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Laura Hope
Tel.: 0231 755-4728

 

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